GRIBS-DenkWerkstatt: Unsere GRÜNE Kommune der Zukunft

Am 28.Mai 2022 finden Ruth und ich den Weg zum Bahnpark Augsburg. Dort findet die Auftaktveranstaltung der GRIBS DenkWerkstatt statt. Eingeladen sind aktive und ehemalige Kommunalpolitikerinnen, Mitarbeiterinnen von Verwaltungen und Fraktionen, Expert*innen und alle, die Lust haben, gemeinsam grüne Kommunalpolitik weiter zu denken – egal ob mit oder ohne Mandat! Zum ersten mal davon gehört habe ich von unserer Heike aus Karlsfeld, die fleißig mitorganisiert. Auch Dieter ist vor Ort, sein Weg von Pfaffenhofen/Glonn ist nicht so lang.

Mit Namensschildern versehen spricht mich die Claudia Bosse an, hat mal mit unserem ehemaligen Bürgermeister zu tun gehabt. Es ist klar, über zwei Ecken kennt jeder jeden. Apropos, MdB Leon Eckert ist auch da. MdL Martina Neubauer wird gesichtet und Claudia ist heute tatsächlich in der Rolle des Bosses, sie moderiert.

Ganz unvermittelt beginnt ein Schauspiel, ein Finale eines Städtewettbewerbs, ausgetragen von Altstadt gegen Neustadt.

Auftritt Hans Huber

Ein wenig verwirrt lausche ich dem Mann, den ich irrtümlich für unseren MdL Johannes Becher hielt. In Altstadt, so erzählt er, ist die weitere Versiegelung der Flächen überhaupt kein Thema mehr. Das Problem wurde gelöst indem man bereits jeden Quadratmeter zubetoniert hat. Seine Kontrahentin Jacqueline Heuhüpfer (alias Steffi König) lacht ihn aus, verweist auf die Möglichkeit einfach höher zu bauen. 330 Meter hoch ist das Gebäude in Neustadt nun, die Mobilität wird durch Aufzüge bestimmt, Straßenbau braucht es gar nicht. Und ich denke mir gerade, das wäre auch etwas für Bergkirchen. Wir haben Aufzugbau in der Gemeinde, ein Gewerbe das ordentlich Steuer zahlt. Herr Huber gibt sich davon nicht beeindruckt, verweist auf Heimat und Tradition. In Altdorf muss man sich um Gehwege, Radwege nicht kümmern. Bauhofmitarbeiter für Grünzeug konnten eingespart werden. Moderne Straßen, großzügig ausgelegt sind die beste Strategie. Wenn jeder mit seinem SUV vorfährt, dann passiert auch nichts. Vielleicht hat er Recht, in Bergkirchen passieren immer wieder Unfälle mit Radfahrern, die nicht schön sind. Die Diskussion auf der Bühne geht hin und her, man gönnt sich keinen Punkt, Sieger wird wohl in diesem Wettbewerb niemand.

Zum Glück ist es dann doch Johannes Becher, der sich als dieser selbst zu erkennen gibt. Zum Nachdenken hat man alle schon mal auf unterhaltsame Weise gebracht.

An der Stelle muss ich zugeben, dass mich der Ort immer wieder ablenkt. Die große rote Lok, der Geruch nach Industrie und immer wieder huschen Ballerinas durchs Bild. Mir ist nicht klar warum, habe sicher irgendeine Erklärung verpasst.

Mit Namen tue ich mich auch schwer, mache mir hier gerade keine Notizen. Nicole und Florian setzen nun den Rahmen für die echte Veranstaltung. Es geht um Visionen, Kompetenzen, Erfahrung und welche Weichen man jetzt stellen kann, um unsere Vorstellungen einer gelungenen grünen Kommunalpolitik zu erreichen.

Augsburgs zweite Bürgermeisterin Martina Wild spricht das Grußwort. In Augsburg haben die Grünen ein gewichtiges Wort mitzureden.

Die Jugend in der Lok fragt sich, wohin die Reise gehen soll.

Wir sind fast 50 Leute, viele erst in den letzten Jahren den Grünen beigetreten. Und doch ist auch ein Gründungsmitglied von 1980 mit dabei. Es sind meist Mandatsträger aus ganz Bayern, manche auch im Bürgermeisteramt und aus der Verwaltung. Die Dialekte aus Franken im Norden sind zu hören, bis ganz in den Süden. Georg Willi spricht mit tirolerischem Akzent. Er ist unser Hauptredner, er ist Bürgermeister von Innsbruck und ebenfalls von den Grünen.

Georg Willi

Wir haben nun eine andere Halle der Bahnanlage in Beschlag genommen. Mit Exponaten aus Wien geben wir uns auf jeden Fall europäisch. Georg ist ein freundlicher Typ, fast bescheiden. Er spricht gleich über seine Selbstzweifel und im selben Satz auch darüber, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Respekt ist sein Motto, gegenüber anderen und gegen sich selbst. Und eben auch Respekt für die Umwelt. Er ist bei den Grünen schon länger im Geschäft, war im Nationalrat und hat andere Posten bekleidet. Wie üblich hat man dafür in Österreich andere Bezeichnungen, er bedankt sich dafür dass er als Oberbürgermeister angekündigt wurde. Bürgermeister ist richtig und er schildert wie man dazu kommt. 50+1 braucht es dazu in einer Demokratie, das erwähnt er mehrmals. Und er verweist auf die Machtfülle, die man in so einer Position erwirbt. In seiner Verwaltung gibt es rotzfreche Mitarbeiter:innen, und die haben auch Recht wie er zugibt. Manches mal ist er wohl zu kompromissfreudig wo Durchsetzen gefragt sein mag. Wieder schweife ich an dieser Stelle in Gedanken in meine Heimatgemeinde ab.

Diesmal eine schwarze Lok. An einer grünen Lok wird vermutlich gerade geschraubt.

Man merkt dass auch Georg in einem Team wirkt. Seine Frau ist mit dabei und gibt ihm Zeichen, dass die Zeit vergeht. Die Geschichte aus Innsbruck sind aber spannend, lehrreich. Der Bürgermeister bekommt zurecht Applaus, es ist schon jetzt eine gelungene Veranstaltung und der Nachmittag geht noch weiter. Ich erinnere mich an einen Schulausflug in die Bavaria Filmstudios vor langer Zeit. Damals war es ‚Das Boot‘, hier sind es die Loks und ist es die ganze Anlage mit vielen Angeboten auch für Kinder.

Mit dieser Mini-Bahn haben wir Erwachsenen dann auch noch ein paar Runden gedreht

Lob unbedingt auch an die Organisatoren für Speis und Trank. Es war wohl alles vegan und hat köstlich geschmeckt und Energie gegeben. Ich hätte nicht gedacht, dass man Schokoladenkuchen vegan so gut hinbekommt. Eins mit Stern!

Nun ist es doch noch so weit, dass wir Grünen als ganze Gruppe aktiv werden. Es gibt fünf Themenkreise, darunter Energie, Mobilität, Kultur und Soziales. Ich entscheide mich für letzteres, und das ist auch der Tisch, den Heike leitet. In letzter Zeit ist mir bewusst geworden, dass es abgesehen von Wirtshäusern und Sporthallen in meiner Gemeinde keinen überdachten Ort gibt, an dem sich mal 50 oder mehr Leute zusammen finden können. Eine Gesellschaft deren Bandbreite in vielem sehr weit auseinandergeht, sollte Orte haben wo alle zusammen kommen können. Es gibt schon gute kleinere Möglichkeiten, etwa das Bruggerhaus in Bergkirchen, so manches Schützenheim, eine Alte Schule, aber deutlich aus lokal-historischen Gründen aufgeteilt. Keiner darf mehr haben als der andere, keiner zu hoch bauen. Sonst ist es aus mit dem Frieden, scheint mir zumindest.

Bürgermeister Georg Willi setzt sich zu uns. In Innsbruck gibt es Stadtteilquartiere, Orte an denen die Menschen zusammen kommen können. Natürlich auch in Organisationen, in Veranstaltungen. Es gibt Konzepte mit denen man präventiv neue Wohnsiedlungen und natürlich insbesondere deren Bewohner:innen zusammen führt. Gerade wenn sich Familien neu gründen, diese zuziehen braucht es Andockstellen, die einen Start in einen neuen Lebensabschnitt erleichtern.

Es gibt viele Ideen und fertige Lösungen, die man sich von anderen Kommunen abschauen kann. Vereine in Deutschland unterliegen Regeln und Pflichten, müssen Formalien beachten. Dabei sollten die doch hauptsächlich Events und Austausch planen und als Angebote in die Gesellschaft tragen. Hier so eine Art Dachorganisation zu haben, damit die Mitglieder nicht überfordert werden, damit behördliche Vorgaben eingehalten werden können, finde ich eine gute Überlegung. Neulich habe ich gelesen, dass man mit dem Verkauf von Kuchen, um etwa Spendeneinnahmen zu finden, vorsichtig sein muss. Die Inhaltsstoffe müsste man angeben oder man müsse aufpassen, ob man Steuern zahlen muss. Weit hergeholt ist das nicht. Wir haben in Bergkirchen nun einen Beauftragten für die Vereine. Ob der sich um solche Dinge kümmern wird? Wird wohl so sein.

Etwas später sitze ich alleine am Tisch mit Gabriele aus Postbauer-Heng. Das ist tatsächlich eine Marktgemeinde aus der Oberpfalz. Landkreis Neumarkt. Nicht zu verwechseln mit Altmarkt …
Das ist tatsächlich eine von zwei Gemeinwohlgemeinden in Bayern. Stichwort ist die Gemeinwohlökonomie, von der ich vor etwa zwei Jahren schon mal gehört habe. Diese Zeit hat es in Postbauer-Heng auch gebraucht, um dieses neue Zeitalter hinsichtlich Verwaltung und Entwicklungsziele umzusetzen. Man hat es dort in Klausuren fertig gebracht koordiniert die vielen anstehenden Probleme anzugehen. Gabriele berichtet überzeugend davon und ich darf sie auch kontaktieren, wenn guter Rat gebraucht wird.

Das ist für mich der würdige Abschluss einer begeisternden Informationsveranstaltung. Wie ist das bei Euch in der Gemeinde? Schon mal was vom Konzept der Gemeinwohlökonomie gehört? Im Landkreis können wir das doch mal angehen, Synergie und Fortschritt finden.

Es geht um die Zukunft in einer leidgeprüften Welt. Wenn andere keine Konzepte und keinen Mut finden, wir bleiben dran. Genauso gerne diskutieren wir im demokratischen Rahmen auch die konstruktiven Vorstellungen von außerhalb der Grünen. Kommunal gehen wir neue und notwendige Wege. Die DenkWerkstatt ist nun in der Welt, hat jetzt eine Zukunft.

Stefan Haas, 1.Juni 2022

Siehe auch https://www.gribs.net/index.php?id=2945

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